Michael Fuchs ThPQ 164 (2016), 374–382
 

Barmherzigkeit und Mitleid in der Philosophie

 

Die antike griechische Philosophie beurteilte Barmherzigkeit und Mitleid eher kritisch als Leidenschaft bzw. Affekt. Philosophische Ansätze nachfolgender Epochen arbeiteten sich an dieser „Vorgabe“ ab: Der Affekt „Mitleid“ könne zur Tugend werden, wenn er durch Vernunft reguliert werde und in tätige Abhilfe übergehe. Er begründet eine Ethik, die Egoismus überwindet. Er soll – so eine häufige Forderung – authentisch sein. Bei allem Gefühlhaften des Mitleids müssen das Bewusstsein der Geschiedenheit der Personen als Voraussetzung für individuelle Verantwortung und die praktische Vernunft als Ausgangspunkt ethisch reflektierter moralischer Urteilsbildung im Blick bleiben.
(Redaktion)