Mirja Kutzer ThPQ 163 (2015), 368–378
 
Gottesliebe – Menschenliebe
Zum Zusammenhang von Theologie und Anthropologie
 

Kann menschliche Liebe in ihrer kulturellen Bedingtheit und dem Wandel unterworfen sowie in ihrer so häufig erfahrenen Brüchigkeit als Metapher für die Liebe Gottes zur Welt und zum Menschen dienen? Was könnte das konstante Element in der Liebe sein, das auch in theologischer Rede sinnvoll zeitlos gültig und dennoch menschlichen Erfahrungen angemessen von der Liebe Gottes künden kann? Diesen drängenden Fragen geht die Autorin nach und findet in der Philosophie von J. Kristeva eine Spur, die zur Theologie des Augustinus führt, welche in Gott die letzte Erfüllung des menschlichen Begehrens sieht. In Gott erkennt die Seele das ideale Ich und strebt danach, sich mit ihm zu identifizieren. In dieser exklusiven Beziehung bleibt aber kaum Platz für den zwischenmenschlichen Eros. Auch das Gottesbild erscheint zu statisch, sodass es die Hingabe in der Menschwerdung nicht umschließt. Darum muss, wie die Autorin zeigt, ein Weg gesucht werden, wie menschliche Hingabe in der Liebe einen „Geschmack des Göttlichen“ (Benedikt XVI.) vermitteln kann.
(Redaktion)