Hermann Häring ThPQ 160 (2012), 21–30
 
Es geht ums Ganze
Zur Revision des Opfermodells im Diskurs von Gnade und Sünde
 
Was heißt Sünde? Was ist Gnade? Die zentralen Begriffe der christlichen Heilsrede erzeugen heute für den Großteil der Menschen größte Verstehensschwierigkeiten. Ein Grund liegt in der einseitigen sühnetheologischen Verklammerung des Sünden- und Gnadenverständnisses bei Paulus und Augustinus. Der systematische Theologe Hermann Häring dagegen plädiert für die Wiedergewinnung eines erfahrungs- und gerechtigkeitsbezogenen Gnaden- und Sündenverständnisses, wie er in den biblischen Traditionen auf breiter Basis zu finden ist: „Der bislang auf die Sünde bezogene Gnadendiskurs ist dann wieder im Eifer für Gottes Gerechtigkeit zu verankern. Dann lässt sich Gnade wiederum vorbehaltlos als Freiheit und Befreiung denken.“
(Redaktion)