Jeanette Moosbrugger ThPQ 158 (2010), 252–260
 
Burnout: Einzelschicksal oder Gesellschaftsphänomen?
Eine soziologische Betrachtung
 
In Europa fühlen sich rund die Hälfte aller Beschäftigten durch ihre Arbeitssituation gesundheitlich beeinträchtigt. Dominiert wird das Beschwerdebild von Burnout-Symptomen. Den eindrücklichen Nachweis liefern Forschungsprogramme, die in spezifischer Weise das Spannungsfeld von Arbeit und Gesundheit untersuchen. Was in diesem Zusammenhang irritiert, ist die Feststellung, dass dezidiert „soziologische“ Erkenntnisinteressen am Burnout erst dürftig auszumachen sind. So heißt es in einer kritischen Analyse, dass das Burnout im „gesellschaftlichen Vakuum“ angesiedelt sei: „In der Burnout-Forschung bleibt der burnt-out case ein anonymes Individuum, für das niemand – außer er selbst – verantwortlich ist.“1 Ein Defizit, das in gänzlichem Widerspruch zu einer Diskussion steht, die – medial angeheizt – dem Burnout das Etikett einer neuen „Volkskrankheit“ verleiht. Vor diesem Hintergrund ist der folgende Beitrag zu verstehen: Als Erklärungsangebot, das die gängige Vorstellung vom „Burnout als Einzelschicksal“ relativiert und die damit verbundene Eigendynamik gesellschaftstheoretisch verortet.