Gottfried Bachl ThPQ 158 (2010), 4–10
 
Gott im Schatten der Kirche
 
Ein die Praxis und das Bewusstsein beherrschender Ekklesiozentrismus erweckt den fatalen Eindruck, die Kirche verwechsle sich selber mit Gott; ihre Ordnungen, ihr Überleben, auch ihre Reform seien wichtiger als das, was Jesus bewegt hat: Gottes Herrschaft und Reich. Gottfried Bachl, der emeritierte Salzburger Dogmatiker, variiert in seinem Aufsatz eines seiner theologischen Hauptthemen, das ihn unentwegt umtreibt: das Abenteuer Gott und die Gottesvergessenheit der Kirche. Das vehemente Plädoyer für den Vorrang der Gottesfrage verbietet eine naive Identifizierung der Kirche mit dem Israel „als es jung war“ (Hos 11,1) und erinnert, dass sich Gottes Größe nicht in unserer Größe, sondern in unserer Schwachheit offenbart (1 Kor 1,25–30).
(Redaktion)