Hansjürgen Verweyen ThPQ 157/2 (2009), 154–165
 
Wort Gottes im Zeugnis von Menschen
 
Die Frage, wie bzw. inwieweit wir der Bibel Gottes Wort und insbesondere den vier Evangelien die Wahrheit über Jesus Christus entnehmen können, ist im Raum der fachwissenschaftlichen Diskussion noch immer umstritten. Das erschwert die Arbeit derjenigen erheblich, die in der Seelsorge und schulischen Praxis die Frohe Botschaft in einer Kirche vermitteln sollen, die im letzten halben Jahrhundert ohnehin enormen Krisen und Polarisierungen ausgesetzt war. Die Adressaten ihres Dienstes, vor allem die jüngeren unter ihnen, haben inzwischen die Frage nach einer Verantwortung des Glaubens im Dialog mit der Philosophie oder der historischen Kritik weitgehend eingeklammert. Seit dem letzten Jahrzehnt sind sie zwar wieder stärker bei kirchlichen Veranstaltungen präsent. Hier suchen sie jedoch nach einer Geborgenheit, der bohrende Fragen nur im Wege stehen, oder einfach nach begeisternden „events“, die ihnen die kulturell erschlaffte nach-postmoderne Gesellschaft nicht zu bieten vermag.
 Unter Beschränkung auf die Frage nach einem Zugang zu Gottes Wort in den Evangelien versuche ich im Folgenden zunächst die gegenwärtige Situation dieser Problematik über einen geschichtlichen Rückblick zu verdeutlichen. Daran anschließend werde ich in groben Umrissen den Weg skizzieren, auf dem meiner Ansicht nach die „Rückfrage nach dem wirklichen Jesus“ angemessen gestellt werden kann.
(Redaktion)