Hermann M. Stenger ThPQ 157 (2009), 18–26
 
Führen und Leiten zu allen Zeiten
Vom Wandel der Machtausübung in der katholischen Kirche
 
Die Geschichte lehrt, wie mörderisch Macht unter Menschen gewütet hat, auch in den letzten aufgeklärten Jahrhunderten – nicht zuletzt bei uns im Land der Dichter und Musiker. Die Kirche ist nicht viel humaner im Umgang mit Macht verfahren. Diktaturen wurden und werden als Obrigkeit Gottes legitimiert, Juden, Ketzer, Hexen wurden verfolgt und vernichtet. In den gegenwärtigen kirchlichen Auseinandersetzungen steht nicht die Dogmatik des Amtes zur Disposition, vielmehr die Pragmatik des Amtsstils. Wie jedoch muss ein Amtsstil aussehen, der eine Kirche des Volkes Gottes fördert? Der Altmeister der Pastoralpsychologie, Hermann M. Stenger, zeitlebens beunruhigt, dass in der kirchlichen Praxis die christliche Botschaft zugleich proklamiert und verraten wird, plädiert – um es mit einem seiner Buchtitel zu sagen – „für eine Kirche, die sich sehen lassen kann“. Das ist eine Kirche mit einem Amtsstil, der die Würde und Sendung des Gottesvolkes in Ehrfurcht vor dem Wirken des Geistes Gottes in den Brüdern und Schwestern anerkennt, schützt und fördert.
(Redaktion)