Franz Gruber ThPQ 156 (2008), 368–379
 
„Du sollst deine Natur selbst bestimmen“ (P. della Mirandola)
Menschwerdung als kulturgeschichtliche Utopie
 
Die große Frage am Anfang des dritten Jahrtausends ist die alte Menschheitsfrage: Wer ist der Mensch und welche Würde eignet ihm? Jedoch hat sie in der Gegenwart ihre eigene Tönung: Was zählt der Mensch noch inmitten anonymer Mächte der Globalisierung? Wie zum Hohn zeigt die Geschichte, dass dort, wo der Mensch sich als Maß und Mitte wähnt, er in Wahrheit in seiner Verletzbarkeit, aber auch in seiner je einmaligen Würde auf der Strecke bleibt. Franz Gruber klopft die anthropologischen Entwürfe der Geistesgeschichte auf ihre Utopien und Aporien ab und bereitet so den Boden für das, was der Hauptinhalt aller Verkündigung zu Weihnachten sein müsste: Seht, wie wertvoll ist der Mensch! Seit der Menschwerdung lebt Gott sein ewiges Gottsein als unser Menschenbruder in Zeit und Geschichte.
(Redaktion)