Sabine Demel ThPQ 155 (2007), 141–152
 
Heiliger Geist und Widerstand (in) der Kirche: nur eine Fiktion?
Charisma und geweihtes Amt in ekklesiologisch-rechtlicher Sicht
 
An der Form der Kirchenregierung scheiden sich gegenwärtig die Geister. Die eine Gruppe begrüßt mit allen Mitteln ein zentralistisch-absolutistisches Modell und fördert die Annäherung der konkreten Kirche an dieses Ideal, die andere bekämpft es als die Zwangsjacke, die der Freiheit der Kinder Gottes nicht umgehängt werden darf. Dieser Streit ist Zeichen einer gefährlichen, narzisshaften Selbstverkrampfung der Kirche. Der Ort und das Grundgesetz für die christliche Glaubensgemeinschaft steht in 2 Kor 3,17: „Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit.“ Dadurch wird sie frei von den begreiflichen Träumen und Sehnsüchten nach der theokratischen Geschlossenheit eines Systems, sei dieses monarchischer oder volksdemokratischer Art. Die praktischen Konsequenzen aus der Teilhabe aller Glaubenden am Priester-, Lehr- und Hirtenamt verlangen eine Integration in kollegiale Strukturen und eine kirchenrechtliche Differenzierung und Auffächerung des noch sazerdotalen Amtes (bzw. des Ordo), die weithin noch aussteht.
(Redaktion)