Roman Sandgruber ThPQ 155 (2007), 3–15
 
Brot und Fleisch
Eine kleine Kulturgeschichte des Essens
 
Nach der griechischen Mythologie hat Göttin Demeter, die „Erd-Mutter“, die Menschen den Ackerbau und die Zubereitung von Brot gelehrt. Doch schon zuvor haben ägyptische Frauen dieses Grundnahrungsmittel hergestellt. Brot trägt die Spur der Bemühung und des Schicksals. Im Christentum wie auch im jüdischen Glauben kommt ihm zentrale Bedeutung zu. Vorhandensein von Brot wird als Segen, sein Fehlen als Fluch Gottes verstanden. In den relativ wohlsituierten Ländern der nördlichen Hemisphäre ist das Fleisch an die Stelle des Brotes getreten, aber auch zum Symbol der unersättlichen Gier, des Konsums, des Tötens geworden. Zugleich verbreitet sich in genau diesen Ländern eine ängstlich auf richtige Ernährung fixierte Lebensweise. Es scheint, dass wir heute beides nicht mehr beherrschen: weder das Fasten als Zeichen radikaler Umkehr noch das Essen als Zeichen dankbarer Vergewisserung der freien Teilung des Lebens und der Gemeinschaft.
(Redaktion)