Karen Gloy ThPQ 154 (2006), 251–263
 
Neue Verzauberung der Natur?
 
Seit Jean-Jacques Rousseaus Abhandlung „Ob die Wissenschaften etwas zur Läuterung der Sitten beigetragen haben?“ (1750) hat die Diskussion um das Verhältnis des Menschen zur Natur nicht mehr aufgehört. Gleichgültig, ob man die Natur positiv oder negativ beurteilt hat, immer ging man davon aus, dass ihre Ressourcen unerschöpflich seien. Erst in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts erkannte man, dass der Mensch und die Technik die natürliche Umgebung erheblich schädigen. Zum ersten Mal entstand ein Umweltbewusstsein, das nichts mit künstlerischer oder religiöser Verarbeitung zu tun hatte, sondern sich ganz konkret mit den Pflanzen und Tieren selbst beschäftigte. Gegenwärtig scheint es im Zuge wissenschaftlichen Paradigmenwechsels wieder einen Trend zur Remythisierung der Natur zu geben. Karen Gloy, Professorin für Philosophie und Geistesgeschichte in Luzern, analysiert die unterschiedlichen Zugänge mit ihren jeweiligen Ambivalenzen.
(Redaktion)