Artur R. Boelderl ThPQ 151 (2003), 38–49
 
"Die Maus im Vogelkäfig"
Zum Status der Erinnerung und deren psychohistorischer Dimension
in Phänomenologie und Psychoanalyse
 
Sigmund Freud hat den Einfluss des Unbewussten im Menschen als dessen dritte (nach der von Kopernikus und Darwin ausgelösten) Kränkung bezeichnet: Wir sind nicht Herr im eigenen Haus; wir wiederholen unbewusst das Nicht-Erinnerte. Darum war für Freud das Erinnern ein traumatischer Prozess. Mit dieser These hat der Begründer der Psychoanalyse einen sowohl markanten Kontrapunkt gegenüber der Bewusstseinsphilosophie als auch inspirativen Auftakt zum Neubedenken der Kategorien "Wahrnehmung" und "Erinnerung" gesetzt. Dr. Artur Boelderl, Assistent und Lehrbeauftragter der KTU Linz und der Universitäten Klagenfurt und Graz, zeigt in seinem anspruchsvollen philosophischen Reflexionsgang, wie diese Kategorie in der Phänomenologie Husserls und in der Psychoanalyse Freuds konzeptualisiert worden ist.
(Redaktion)