Gottfried Vanoni ThPQ 151 (2003), 29–36
 
Der biblische Kanon
Institutionalisierte Erinnerung
 
Die Bibel ist kanonische Erinnerung. Was in ihr niedergeschrieben steht, ist das raum- und zeitübergreifende Zeugnis von Menschen, die ihr Leid und Glück als die entscheidende Begegnungsgeschichte mit Gott auf vielfältige Weise erzählen. Doch die genaueren Fragen, wie der Kanon erinnert werden soll, wie seine Einheit und Differenz zu verstehen ist, wie sich die beiden unterschiedlichen Erinnerungskulturen von Judentum und Christentum zueinander verhalten, sind besonders in den letzten Jahren heiße Themen der Bibelwissenschaften geworden. Dr. Gottfried Vanoni, Professor für Alttestamentliche Bibelwissenschaft der Theologischen Hochschule St. Gabriel, Mödling, greift einige Aspekte in selektiver Weise auf und macht deutlich, dass Glaubensgemeinschaft im Lesen und Tun des biblischen Wortes wesentlich Erinnerungsgemeinschaft ist.
(Redaktion)