Walter Raberger ThPQ 151 (2003), 17–28
 
"Ich benötige keinen Grabstein" – oder:
Über den Umgang mit angstmachender und sinnstiftender Erinnerung
 
Wie eine Kultur sich erinnert und was sie vergisst – lässt sich daran erkennen, über welches humane Potenzial sie verfügt? Seit es Hochzivilisationen gibt, ist das Erinnern ein Identitätsmerkmal jeder Gesellschaft. Doch das Gedenken ist nicht ideologiefrei, denn öffentliche Erinnerung ist in der Regel die Erinnerung der Sieger. Und die Opfer? Walter Raberger, Ordinarius für Dogmatik und Ökumenische Theologie der Kath.-Theol. Privatuniversität Linz, geht in seinem anspruchsvollen Beitrag der Frage nach, was die Erinnerung der Opfer einer kritischen Philosophie und Theologie zu denken aufträgt. Mit
W. Benjamin reklamiert er das "Theologische" im Akt der Leidenserinnerung, zumal auch christlicher Glaube selbst "Gottes rettendes Eingedenken des Gekreuzigten erinnert".
(Redaktion)