Hanjo Sauer ThPQ 146 (1998), 35–46
 
"Erotik" als Thema der Theologie
 
Im kirchlichen Sprachgebrauch ist der Begriff „Erotik“ negativ besetzt. Er wird mit „Sex“, „Pornographie“ und „Perversion“ in ein gemeinsames Wortfeld eingereiht. Zuständig ist die Moraltheologie, die dieses Thema unter den Normen des 6. Gebotes abzuhandeln hat. Diese verengte Sichtweise wirkt sich für die Glaubwürdigkeit der Kirche verheerend aus, denn die moderne Gesellschaft zählt Erotik zu einem ihrer Schlüsselbegriffe und besetzt ihn religiös. Erotik hat Verheißungs- und Heilscharakter. Weil es im Umgang mit der Erotik um eines der drängendsten Themen des Konfliktfeldes von Kirche und Gesellschaft geht, muß sie zum Gegenstand systematischer Überlegungen werden. Denn in der Art und Weise, wie mit ihr umgegangen wird, steht der Umgang mit der Welt überhaupt, mit der Sinnlichkeit und der Faszination vor der Schöpfung selbst auf dem Spiel. Das Thema ist komplex. Es hat viele Perspektiven. Die folgenden Gedanken unseres Autors, Professor für Fundamentaltheologie an der Katholisch-Theologischen Hochschule Linz, wollen in Anknüpfung an den theologischen Entwurf Franz von Baaders einige Impulse in die Diskussion einbringen.
(Redaktion)