Eva Drechsler ThPQ 145 (1997), 363–375
 
Der bedrängte Sonntag: Verraten – oder einfach verkauft?
 
Der arbeitsfreie Sonntag ist in Bedrängnis geraten: Die Fronten zu seiner Beibehaltung oder Einschränkung laufen quer durch Wirtschaft, Politik und Medien. Nur die Kirchen verteidigen ihn vorbehaltlos. Und doch steht der Sonntag in Österreich nach wie vor unter massivem Schutz. Tatsächlich ist die gesetzliche Änderung, die monatelang eine Flut von Stellungnahmen der Kirchen, politischen Parteien, Ministerien, Wirtschaftskammern, Kammern für Arbeiter und Angestellte, Gewerkschaften und vieler anderer Institutionen auslöste, nicht so gravierend, wie man aufgrund der Reaktionen annehmen könnte. Ohne diese Reaktionen wäre sie aber vermutlich anders ausgefallen; denn daß es starke Interessen gibt, den Sonntag möglichst kostengünstig in die Wochenarbeitszeit einzubeziehen, steht außer Zweifel. Verraten will den Sonntag eigentlich kaum jemand. Käuflich sollte er aber doch sein, sagen jene Interessenten, die sich von seiner Verwertung einen Gewinn erwarten. Wenn man ihn schon verkaufen muß, dann wenigstens möglichst teuer, sagen die anderen. Unsere Autorin ist Redaktionsleiterin der Theologisch-praktischen Quartalschrift.
(Redaktion)