Dieter Trunk ThPQ 145 (1997), 3–13
 
Jesus, der Exorzist
 
Daß Jesus als ein charismatischer Exorzist gewirkt hat, ist gut bezeugt und exegetisch kaum bestritten. Die Logienüberlieferung läßt den Zusammenhang von Jesu exorzistischem Wirken und seinem Selbstverständnis sowie seiner Verkündigung erkennen. Während beim ältesten Evangelisten Markus den Dämonenaustreibungsgeschichten die Funktion des christologischen Beweises zukommt, gehen die späteren Evangelisten restriktiver und reflektierter mit dieser Überlieferung um, da deren ambivalenter Charakter aufgrund einer mittlerweile einsetzenden gegnerischen Polemik deutlich geworden ist. Dabei werden die Exorzismen stärker unter dem therapeutischen Aspekt wahrgenommen, der Zeugniswert dämonischer Äußerungen dagegen wird relativiert. Eine unreflektierte Übernahme der jesuanischen und frühchristlichen exorzistischen Praxis in der modernen Gesellschaft steht in der Gefahr fundamentalistischer Verengung; der Auftrag Jesu an die Jünger, Dämonen auszutreiben, bedarf einer hermeneutischen Übersetzung. Dennoch sollte der Exorzismus als eine mögliche diakonische, kirchliche Praxis nicht grundsätzlich verworfen werden, zumal in vielen Ortskirchen die diesbezügliche weltanschauliche Grundlage der entsprechenden biblischen nahesteht und neuere geistige Strömungen sich dieser erneut öffnen. Dr. Dieter Trunk ist pastoraler Mitarbeiter in der Erzdiözese Bamberg.
(Redaktion)