Thomas Ruster ThPQ 144 (1996), 168–176
 
Bin ich das Subjekt meines Begehrens?
Beobachtungen zum Funktionswandel der Introspektion
von Augustinus bis zur Werbung
 
Augustinus hat in seinen Confessiones eine Art der Selbstanalyse vorgeführt, die eng mit seiner Gnadentheologie zusammenhängt. Vor Gott wird er sich zum gläsernen Menschen. Vermittelt über die kirchliche Moralunterweisung und Bußpraxis, hat der augustinische Ansatz eine spezifisch katholische Kultur der Selbstprüfung hervorgebracht. Gläubigen war die ständige Suche nach sündigen Regungen in ihrem Inneren aufgetragen. Wohin ist die dort entwickelte Fähigkeit zur Introspektion heute gewandert? Tatsächlich wird sie in der Werbung vorausgesetzt und benutzt. Was bedeutet es theologisch, wenn religiös grundgelegte Verhaltensweisen in einem profanen Bereich wieder auftauchen? Ist der Markt, der uns in der Werbung anspricht, selbst ein Gott? Unser Autor ist Professor für katholische Theologie an der Universität Dortmund.
(Redaktion)