Alfons Riedl ThPQ 143 (1995), 11–20
 
Seinen Tod sterben dürfen.
Zur Diskussion um die Sterbehilfe
 
Die Angst, durch die „apparative Medizin“ einmal an seinem natürlichen Tod gehindert zu werden, ist heute offenbar groß und weit verbreitet. Alle geäußerte Befremdung gegenüber der niederländischen Gesetzesänderung zugunsten begrenzter Euthanasiehandlungen darf darüber nicht hinwegtäuschen. Wer deshalb – mit guten Gründen – in einer Tötung auf Verlangen oder aus Mitleid keine ethische und menschenwürdige Problemlösung zu sehen vermag, darf die Antwort auf diese Ängste nicht schuldig bleiben. Sie sind aufgehoben in jenem Umgang mit Sterbenden, der diesen den Tod, der zum Leben gehört, nicht mit allen Mitteln streitig macht, sie vielmehr auf ihrer letzten Wegstrecke Hilfe und Zuwendung erfahren läßt. Dies bedingt allerdings, den vielfach verdrängten Tod wieder ins Leben zurückzuholen. – Der dem nachstehenden Beitrag zugrundeliegende umgreifende Ansatz will unter Absehung von medizin-ethischen Detailfragen diese größeren Zusammenhänge bewußt machen. Der Autor ist Professor für Moraltheologie an der Theologischen Fakultät in Linz.
(Redaktion)