Adam Michnik ThPQ 142 (1994), 243–252
 
Polen: Kirche – Aufklärung – Nation – Demokratie
 
Polen: kein anderes Land provoziert so stereotype Vorstellungen über die Verflechtung von Nation und Religion. Seit der Wende wird in Polen eine scharfe Polemik über die Bedeutung der Kirche für das politische Leben geführt. Die Vorstellungen reichen von der Vision eines katholischen Staates polnischer Nation bis hin zur Anschuldigung, die Kirche sei an allen nun zutage tretenden gesellschaftlichen Krisen schuld. In seinem leidenschaftlichen Essay plädiert der Chefredakteur der ersten im Kontext des Umbruchs in Polen gegründeten und inzwischen auch größten polnischen Tageszeitung „Gazeta Wyborcza“ (Wahlzeitung), ehemals einer der Führer der Studentenrevolte 1968, einer der Gründer des „Komitees zur Verteidigung der Rechte der Arbeiter“, Aktivist der „Solidarität“, Abgeordneter zum polnischen Parlament nach der ersten freien Wahl, Adam Michnik, für eine Revision der Stereotype. Nur dann sei eine kreative demokratische Politik in Polen denkbar. Übersetzung aus dem Polnischen und redaktionelle Bearbeitung des Textes von Józef Niewiadomski.
(Redaktion)