Wolfgang Palaver ThPQ 142 (1994), 225–233
 
Die religiöse Dimension des Nationalismus
 
Worin besteht die religiöse Dimension der nationalistischen Versuchung? Sind es nur Flaggen, Rituale und Bündnisse mit den politischen Machthabern, die in diesem Zusammenhang zur Diskussion stehen? Unser Autor, Assistent und Lehrbeauftragter am Institut für Moraltheologie und Gesellschaftslehre an der Universität in Innsbruck, geht von der Überzeugung aus, daß die tiefsten Wurzeln des Nationalismus und der Religion zusammengehören. Dieser These waren viele Theoretiker und Dichter der abendländischen Geistesgeschichte verpflichtet, so u.a. auch Dostojewskij. In den „Dämonen“ beschreibt er Gott als die synthetische Persönlichkeit des ganzen Volkes. Die Folgen davon sind: die Ablehnung eines allgemeinen Gottesbegriffes, jenes der einen Menschheit und die Erhebung der völkischen Stärke zum einzigen Kriterium der Wahrheit. Nietzsche fügte noch die Verpönung der Güte und der Feindesliebe hinzu. Worin ist aber der Beitrag der jüdisch-christlichen Tradition zu sehen: in der Absegnung oder in der Infragestellung dieser Zusammenhänge? Und: Wie steht es mit der nationalistischen Religion in der Gegenwart?
(Redaktion)