Severin Lederhilger ThPQ 142 (1994), 123–136
 
Kooperative Seelsorge und die Frage nach dem Amt
Kirchenrechtlich-dogmatische Probleme
 
Der geltende Codex des kanonischen Rechts kennt nur einen einheitlichen Amtsbegriff, der gleichermaßen auf Kleriker und Laien anwendbar ist. Allerdings kann ein Amt, das der umfassenden Seelsorge dient, gültigerweise nur jenen übertragen werden, die die Priesterweihe empfangen haben. Die Erarbeitung und Erprobung von Modellen einer „kooperativen Seelsorge“ in einigen Diözesen (z. B. Linz, Speyer) bringt u. a. eine Einbeziehung von Laien in die Leitungsaufgabe der Kirche in einem stärkeren Ausmaß mit sich. Zwar ist dies kanonistisch (can 517 § 2) eindeutig legitimiert, doch erfordert diese Praxis eine umfassendere juridische und dogmatische Reflexion über die Zuordnung kirchenrechtlicher Berufe zum Sakrament des Ordo, soll die zu erprobende Praxis nicht in einer Sackgasse landen. Der Autor, Professor für Kirchenrecht an der Kath.-Theol. Hochschule Linz, reflektiert die laufenden Prozesse und bezieht Stellung zu den diskutierten Alternativen: Diakone und/oder Laien als Gemeindeleiter.
(Redaktion)