Franz Weber ThPQ 141 (1993), 263–274
 
Freiräume der Inkulturation
Hoffnung und Bedrängnis der lateinamerikanischen Basisgemeinden
 

Der Weg der kirchlichen Basisgemeinden in Lateinamerika begann in einer Zeit politischer Repression und wurde nach dem Zweiten Vatikanum allgemein als ein Zeichen der Hoffnung und des Aufbruchs betrachtet. Inzwischen scheinen nicht wenige Ortskirchen auf einen anderen Kurs gesteuert zu werden. Die vielbeteuerte und in Santo Domingo zumindest verbal erneuerte „Option für die Armen“ erweist sich allerdings als unglaubwürdig, wo der Glaube an die historische Kraft der Armen nicht mehr theologisch klar reflektiert und pastoral entschlossen praktiziert wird. Damit geraten aber auch die Basisgemeinden in innerkirchliche Bedrängnis.
Der Autor, Comboni-Missionar und Lehrbeauftragter für lateinamerikanische Theologie am Institut für Pastoraltheologie in Graz, vertritt auf der Grundlage langjähriger Erfahrung in brasilianischen Gemeinden die Überzeugung, daß sich die Basisgemeinden durch die Rückbesinnung auf die Wurzeln lateinamerikanischen Christentums in den indianischen und afroamerikanischen Kulturen als pastorale Chance für eine Inkulturation der Kirche in die vielgestaltige und plurikulturelle lateinamerikanische Wirklichkeit auch in Zukunft als sehr lebendig erweisen werden.

(Redaktion)